Die Protagonistin aus Pokémon-Legenden:Arceus mit dem leuchtenden Arceus-Phone in der Hand

Pokémon-Legenden: Arceus im Test – ausführliches Review und Kritik zum Spiel

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Schon vor Release von Pokémon-Legenden: Arceus war die Skepsis in der Fangemeinde groß. Nun, eine Woche nach der Veröffentlichung, erscheinen erste Reviews und Kritiken zum Spiel – mit teilweise sehr unterschiedlichen Eindrücken. Auch wir haben uns Gedanken zum Gesamteindruck gemacht und wollen unsere Meinung zu Pokémon-Legenden: Arceus mit Dir teilen.


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Story – so gut hat uns die Handlung überzeugt

In Pokémon-Legenden: Arceus findest Du Dich plötzlich in einem feudalen Sinnoh wieder. Eine Zeit, in der Menschen und Pokémon größtenteils getrennt voneinander leben. Nur die mutigsten Persönlichkeiten trauen sich an die bis dato unerforschten Wesen heran. Daher begegnest Du ihnen hauptsächlich in der freien Wildbahn.

Während der Geschichte erforschst Du die Pokémon und erstellst den ersten Pokédex aller Zeiten. Durch die neuen Erkenntnisse Deiner Forschungen verlieren einige Menschen nach und nach ihre Angst vor Pokémon und beginnen zunehmend, in gemeinschaftlicher Symbiose mit ihnen zu leben. Diese und noch mehr Auswirkungen der Forschungen und abgeschlossenen Missionen erlebst Du in Jubeldorf am eigenen Leib mit.

Jubeldorf dient sogesehen als Dreh- und Angelpunkt in Pokémon-Legenden: Arceus. Hier befindet sich das Hauptquartier der Galaktik-Expedition, die sich der Pokémon-Forschung widmet. Gleich zu Beginn des Spiels wirst Du ein Mitglied der Expedition, nimmst Missionen entgegen und absolvierst sie. Darüber hinaus kümmerst Du Dich um die Angelegenheiten der Dorfbewohner, die Dich hin und wieder mit Nebenquests versorgen.

Das Questsystem

Das Missions- und Questsystem ist ein klassisches Element von Rollenspielen. In Pokémon-Legenden: Arceus gipfelt das Ganze sogar in einem kleinen Aufbau-Szenario: Je mehr Quests Du erledigst, desto mehr entwickelt sich Jubeldorf. Der Friseursalon oder auch die Boutique erweitern beispielsweise ihr Sortiment, vergrößern sich und verändern dadurch sogar ihr Design – wenn auch nur geringfügig.

Das motiviert auch langfristig dazu, jede einzelne Nebenquest zu absolvieren, die Aufgaben über die Story hinaus beinhalten. Die Questaufgaben wie „fange ein Schaloko“ oder „Sammle drei Indigostücke“ stellen dabei zwar keine Revolution dar, langweilen aber auch nicht oder fallen gar negativ auf. 

Anders geht es uns da mit der Charaktertiefe der NPCs und der unzureichenden Gesprächsqualität in den Dialogen der Missionen. Abseits der Hauptgeschichte lässt sich das leicht verzeihen. Leider findest Du dasselbe bei storyrelevanten Persönlichkeiten und Unterhaltungen vor. 

Diam und Perla stehen vor dem Galaktik-Hauptquartier in Jubelstadt vor einem Waumpel und unterhalten sich miteinander
Die Dialoge mit Perla und Diam sind zu verkrampft auf Raum und Zeit getrimmt.

Stupide Dialoge und charakterlose Hauptfiguren

Das Ganze gipfelt in komplett sinnlosen und irrelevanten Antwortmöglichkeiten, die sich in ihren Aussagen nur geringfügig unterscheiden und keinerlei relevanten Einfluss auf den Gesprächsverlauf oder die Geschichte nehmen. Es suggeriert dem Spielenden fälschlicherweise, die Geschichte mitbestimmen zu können. Eine Illusion, die Pokémon bereits in vergangenen Spielen mit genau demselben Prinzip aufrecht erhalten wollte.

Vorfahren bekannter Pokémon-Trainer

Extrem spannend ist, dass Gamefreak bekannte Spielfiguren aus vorherigen Pokémon-Editionen in Pokémon-Legenden: Arceus eingebaut hat. Eis-Arenaleiterin Frida aus Sinnoh, Top-Vier-Mitglied Melanie aus Kanto oder auch Galaktik-Commander Mars. Gelegentlich sind dabei sogar die Geschlechter vertauscht. Eine Auflistung einiger Pokémon-Trainer, die im Spiel als Vorfahren eingebunden wurden, findest Du im folgenden Video:

Das Erraten bekannter Gesichter hat uns neben dem Spielen immer wieder beschäftigt und für zusätzliche Unterhaltung gesorgt. Leider haben wir uns etwas mehr Bedeutung und Teilnahme in der Geschichte erhofft. Einzig und allein Volo, den einige als Vorfahre von Cynthia erkannt haben, trägt zeitweise einen wichtigen Teil zur Story bei.

Aber auch der zeitreisende Hin, der ebenfalls aus dem Riss im Himmel gefallen ist, feiert ein etwas weniger pompöses Debut. Er begleitet Dich zwar während Deiner ersten Schritte auf dem Kraterberg und erzählt dabei über seine Erinnerungsfetzen als Metromeister der Kampfmetro, hat aber über den Übungsplatz hinaus keine Bedeutung mehr für die Story – schade.

Neue Pokémon und Hisui-Formen

In Pokémon Sonne und Mond kamen zum ersten Mal neue Designs bereits bekannter Pokémon ins Spiel: die Alola-Formen. Auch in Pokémon-Legenden: Arceus gibt es ein regionales Aussehen: die sogenannte Hisui-Form. Betroffen davon sind alle drei Endentwicklungen der Starter sowie beliebte Pokémon wie Zorua oder auch Fukano.

Hisui-Arkani auf der Feuerspei-Insel in Pokémon-Legenden: Arceus
Hisui-Arkani gehört noch zu den besseren Designs.

Einige Designs empfinden wir als in Ordnung, andere lassen uns mit einem fassungslosen Gesichtsausdruck zurück. Wie sehr ich mich doch auf eine coole Hisui-Form meines geliebten Tornupto gefreut habe. Und was habe ich bekommen? Ein abgestürztes Faultier, das sich im Selbstmitleid seiner eigenen Midlife-Crisis suhlt. Viel schlimmer konnte es nur Spielern und Spielerinnen ergehen, die auf ein Happy End mit Silvarro gehofft haben…

Während Du derartige Enttäuschungen einfach auf die Weide abschieben kannst, wirst Du den Anblick der „Reittier-Pokémon“ dauerhaft ertragen müssen. Damythir, Salmagnis, Ursaluna, Snieboss und Washakwil ersetzen die VMs und helfen Dir dabei, jeden kleinsten Winkel der Hisui-Region zu erkunden. Besonders wichtig ist das für die Suche nach den Geisterlichtern oder den Icognito.

Sammelspaß mit Geisterlichtern und Icognito

Die insgesamt 107 Geisterlichter musst Du für eine Nebenquest ausfindig machen. Die ersten verstecken sich in Jubeldorf, alle weiteren findest Du hingegen in den verschiedenen Arealen verteilt. Bei der stattlichen Anzahl erfordert die Nebenquest auch eine ordentliche Belohnung – und die ist sogar relevant, um das Game durchzuspielen.

Im Gegensatz zu den Icognito. Hast Du alle 28 Exemplare gefunden, erhältst Du „nur“ ihren perfekten Pokédex-Eintrag. Das ist natürlich toll und für alle Leute relevant, die anstreben, den Pokédex-Eintrag eines jeden Pokémon zu vervollständigen. Wichtig für den Abschluss der Geschichte ist das nicht, trotz allem aber relevant für den Endgame-Grind.

Bringst Du nämlich alle Forschungslevel der Pokémon auf zehn, erhältst Du als Belohnung den Schillerpin. Das Item gibt es bereits seit Pokémon Schwarz 2 und Weiß 2 und erhöht die Chance auf Shiny-Exemplare. Für Leute, die ihren Pokédex auch noch mit allerlei Shiny-Varianten füllen wollen, geht der Sammelspaß hier weiter.

Nach den Credits „Hui!“ – nach Arceus „Pfui!“

Ob die ganze Sammelei nun für jeden etwas ist oder nicht: Pokémon-Legenden: Arceus bietet seit Langem wieder ein richtig spielenswertes Endgame. Nach den Credits gibt es noch viele erstrebenswerte Ziele, die Du mit der Story weiterverfolgen oder Dir selbst stecken kannst. Diese verbuchen auf Deinem Spielstand noch mal einige Stunden mehr Spielzeit.

Die Treppe zum finalen Bosskampf gegen Arceus am Sinnoh-Tempel in Pokémon-Legenden: Arceus
Bis zu Arceus ist es ein langer Weg.

Hast Du dann hingegen alle Pokémon mindestens einmal gefangen und stellst Dich erfolgreich Gott persönlich, sinkt die Motivation. Zum einen wagt es nicht ein einziger Dorfbewohner über Deine größte Glanzleistung in der Geschichte des Spiels zu sprechen. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage: Wozu benötige ich Arceus inklusive Tafeln noch?

Es gibt keine Herausforderung mehr für uns, die weder Arceus, noch ein Team aus starken Pokémon benötigt. Der Rest des Spiels ist ausschließlich etwas für Dich, wenn Du wirklich Bock darauf hast, den Pokédex-Eintrag eines jeden Pokémon zu vervollständigen – inklusive Shiny-Versionen. Für uns hingegen war das Spiel ab diesem Punkt beendet.

Grafik – lieblose Darstellungen, aber schönes Ambiente

Die Grafik in Pokémon-Legenden: Arceus bleibt an den meisten Stellen ausbaufähig. Die technischen Höchstleistungen der Nintendo Switch wurden bei der Entwicklung nicht wirklich ausgenutzt. Stattdessen sorgen krasse Framedrops für statische Bewegungen von Spielobjekten im Hintergrund, die mit wenigen Bildern pro Sekunde wiedergegeben werden. Als Beispiels dient Garados im folgenden Video:

Auch die mehr oder wenige karge Umgebung in den einzelnen Gebieten sorgt immer mal wieder für ein leichtes Schmunzeln. Während eines Kampfes rasten gerne einmal die Gräser auf dem Boden komplett aus und lassen uns einen besorgniserregenden Anfall vermuten. Auch die Veränderungen der Lichtverhältnisse durch den Tageszeitenwechsel sorgen gelegentlich für Probleme: Während eines Fangversuchs flackert das Bild unschlüssig zwischen hell und dunkel.

Sich ständig wiederholende Grafikstrukturen zerstören die Idylle

Grafikfehler der anderen Sorte sind beispielsweise Fragmente von Felsen, die aus unpassenden Objekten herausragen. Ein Beispiel dazu findest Du im Bild unter diesem Textabschnitt. Ein ebenfalls eher zweischneidiges Schwert sind die Gebiete an sich: Während das Kobalt-Küstenland flächendeckend interessante Orte bietet und von einer Vielzahl unterschiedlicher Pokémon belebt ist, überwiegt in Gebieten wie dem Kraterberg eher unbelebte Natur.

Der Berg zur Höhle der Umkehr im Kobalt-Küstenland in Pokémon-Legenden: Arceus
Im Vordergrund siehst Du lieblose Texturen mit ein und demselben Muster. Über den Hintergrund liegt eine verwaschene „Texturendecke“.

Die sich wiederholenden Grafikstrukturen in „toten“ Gebieten führt dazu, dass sich bereits aus der Distanz ein seltsames und extrem unauthentisches Konstrukt abbildet. Ein passendes Beispiel findest Du im Kobalt-Küstenland, wenn Du von der Feuerspei-Insel zur Höhle der Umkehr fliegst. Das Ausmaß der fehlenden Strukturvariation wird deutlich, sobald Du Dich dem Berg näherst, auf dem sich die Höhle befindet.

Die Felsen des Berges bestehen wortwörtlich aus ein und derselben Grafik, die sich in jede erdenkliche Richtung wiederholt. Alleine Grafiken, die bemooste oder beschneite Flächen darstellen sollen, unterbrechen den strukturgleichen Teppich. Bewegen sich dann nicht einmal Pokémon in diesem Gebiet, wird das Spielgefühl und die Atmosphäre zunehmend beklemmender.

Überraschend umfangreiches Interaktionsspektrum der Pokémon

Die Animation und das Verhalten der Pokémon sind tatsächlich das Einzige, das den tristen Gebieten etwas Leben und Authentizität einhaucht. Hier haben sich die Entwickler scheinbar etwas mehr Mühe gegeben. Neben den typischen Sprite-Animationen gibt es sogar ein kleines, aber feines Reaktionsspektrum. Es erstreckt sich von aggressiv, über (des-)interessiert bis hin zu ängstlich.

Screenshot von einem Staralili, das sich einige Meter vor Lumius und der Protagonistin in Pokémon-Legenden: Arceus auf dem Boden aufhält
Während sich Staralili ängstlich verhält, fliegen seine Entwicklungen aggressiv auf Dich zu.

Sheinux ist beispielsweise ein aggressiver Typ und greift Dich an, sobald Du Dich näherst. Machollo zeigt sich interessiert und verfolgt Dich ein kleines Stück, um zu sehen, was Du so treibst. Teddiursa reagiert ängstlich und ergreift die Flucht, sobald Du Dich näherst. Darüber hinaus kann sich ihr Verhalten situationsbedingt ändern.

Wirfst Du einen Ball auf ein Machollo, das sich zunächst interessiert verhält, kann es aggressiv werden und angreifen, wenn der Fangversuch fehlschlägt und es aus dem Ball ausbricht. Sein Verhalten ändert sich also durch Deine Aktionen. Wo die Charaktertiefe der Nebenfiguren aufhört, beginnt scheinbar das durchdachte Verhaltensmuster einzelner Pokémon. Das hat uns tatsächlich sehr verblüfft.

Auch im Kampf gibt es ein neues Feature, das uns positiv überrascht hat. Während sich Dein Pokémon einem anderen Exemplar stellt, kannst Du frei herumlaufen. Stehst Du zwischen den Attacken, wirst Du sogar getroffen und zu Boden geworfen. Ist Dein Kumpel außer Gefecht, sieht Dich das wilde Pokémon fordernd an. Überraschend coole Interaktionen, auch im Kampf.

Musik – alte Tracks mit neuen Beats

Zur Musik gibt es nicht viel zu schreiben. Die Soundtracks sind einfach stimmungsvoll, episch und schön. Nostalgische Tracks aus Pokémon Diamant und Perl wurden mit zeitspezifischen Klängen überarbeitet. Das Ergebnis ist wirklich harmonisch und insgesamt gut gelungen. Wir haben die Lautstärke gerne einmal etwas lauter aufgedreht als üblich.

Steuerung – gerne intuitiver oder anpassbar

Eine Sache mit der ich persönlich nie warm geworden bin, ist die Steuerung. Selbst nach über 70 Spielstunden habe ich es teilweise immer noch nicht geschafft, intuitiv die richtigen Tasten zu betätigen. Im Grunde wäre das kein Problem, wenn mir das Game doch wenigstens die Möglichkeit geben würde, die Tastenbelegung zu ändern – tut es aber nicht!

Und wäre mein Struggle nicht bereits dadurch real, dass ich mindestens zwei Versuche benötige, um die Karte zu öffnen, kommt die Steuerung beim Reiten erschwerend hinzu. Gelegentlich, wenn Du Dich auf Dein Damythir schwingst und sprintest, folgt die Kamera ihrer eigenen Logik. Plötzlich siehst Du Dich in einer unfassbar nervigen Schräg-Perspektive.

Vermutlich soll der Spieler oder die Spielerin einen weiteren Blickwinkel bekommen? Wenn Du eine Erklärung für diese Design-Entscheidung hast, schreibe sie gerne in die Kommentare. Fakt ist: Es erschwert plötzlich die Steuerung beim Reiten, mit der ich bisher ausnahmsweise super klargekommen bin.

Die Protagonistin reitet auf ihrem Damythir durch das Obsidian-Grasland in Pokémon-Legenden: Arceus
Plötzlicher Perspektivwechsel beim Sprinten auf Damythir.

Mit der ZL- oder ZR-Taste lässt sich das Problem immerhin recht schnell wieder beseitigen und die Kamera zeigt wieder in die Blickrichtung des Charakters. Bis die Taste jedoch reagiert, braucht das Spiel seine zwei bis drei Sekunden, in der es nicht auf meinen Steuerungswunsch reagiert. Kamera-Kollisionen mit Wänden oder Objekten begünstigen das Problem.

Trotz dieser Mankos macht es aber durchaus Spaß, mit der vorgeschriebenen Steuerung zu spielen. Vor allem das Reiten und Springen sowie der flüssige Wechsel zwischen den Reittier-Pokémon macht extrem viel Laune.

Gameplay – Fluch und Segen zugleich

Da sich Pokémon-Legenden: Arceus stark von der eigentlichen Spielereihe unterscheidet, gibt es natürlich auch Unterschiede im allgemeinen Gameplay. In den folgenden Abschnitten erzählen wir ein bisschen etwas über die Neuerungen und erklären, was und warum uns etwas besonders gut oder schlecht gefallen hat.

Der Wechsel zwischen den Gebieten

Du betrittst Jubeldorf und alle weiteren Gebiete nicht mehr, indem Du von A nach B rennst. Stattdessen verlässt Du das Stadttor von Jubeldorf und teleportierst Dich zum Zielgebiet Deiner Wahl. Sobald Du ein Gebiet genauer erkundet hast und ein zweites Lager errichtet wurde, kannst Du Deine Destination genauer auswählen.

Die Ladenzeile mit Friseur, Supermarkt, Unterkunft und Bekleidungsgeschäft aus Jubeldorf im Ladebildschirm von Pokémon-Legenden: Arceus
Und täglich grüßt die Ladeanimation von Jubeldorf.

Für Runs, bei denen Du ein Gebiet durchquestest und danach wieder in Stadt zurückmusst, ist das alles kein Problem. Problematisch wird es erst dann, wenn Du zwischen den Gebieten wechseln möchtest. Das ist nämlich nicht über den direkten Weg möglich. Sprichst Du mit dem Professor und sagst ihm, dass Du das Gebiet verlassen möchtest, geht es unweigerlich nach Jubeldorf zurück.

Erst wenn Du dort angekommen bist, darfst Du erneut das Stadttor passieren und das entsprechende Gebiet auswählen. Da sich die Ladezeiten einigermaßen in Grenzen halten, ist das noch irgendwie zu verkraften. Die eleganteste Lösung ist das aber ganz sicher auch nicht.

Interessante Gebiete und Gebietserkundungen? Nope.

Traurig finden wir außerdem, dass Du alle Gebiete bis ins kleinste Detail mithilfe der Reit-Pokémon erkunden kannst. Deutlich spannender wären Spots gewesen, in denen Du beispielsweise Felsen zertrümmern musst, um ein neues und bisher unentdecktes Areal zu betreten. Zum Teil gab es solche Gelegenheiten, jedoch erhältst Du ausschließlich Zugang zu Gebieten, die Du auch mit Washakwil befliegen oder mit Salmagnis erreichen kannst.

Die große Steintür vom Golem-Rätsel im Blizzard-Tempel aus Pokémon-Legenden: Arceus
Es hätte gerne mehr Rätsel wie im Blizzard-Tempel geben dürfen.

Und wenn Dich das Abenteuer doch mal über den nächsten Felsen tragen sollte, wirst Du von einer weißen Nebelwand aufgehalten. Die tauchen zum Teil nicht nur an den Kartenrändern auf. Befindet sich zwischen zwei begehbaren Gebieten im Kartenmittelpunkt ein besonders hoher Felsen, kann es durchaus vorkommen, dass Du trotz allem um den Felsen herum fliegen musst.

Dass Pokémon-Legenden: Arceus kein Open-World-Spiel sein würde, war uns (und Dir hoffentlich auch) durchaus bewusst. Aber genau deshalb hätte es der Erkundung wegen einfach mehr entdeckbare Orte geben können. Als positives Beispiel für gelungene Entdecker-Experience dient Guild Wars 2 mit seinen Sprungrätseln und Aussichtspunkten. Aber auch zahlreiche andere Spiele, die ebenfalls ohne Open-World daherkommen, konnten uns schon deutlich länger bei der Stange halten.

Pokémon in Pokémon-Legenden: Arceus fangen

Alles, was Du zum Fangen von Pokémon benötigst, stellst Du selber her. Egal ob Pokébälle, Tränke oder Zusatzitems, die das Fangen oder Anschleichen erleichtern sollen. Hast Du keine Lust, die benötigten Materialien zu sammeln, kaufe sie einfach bei Taras oder wende Dich an Taiso und erwirb Dein Wunschitem ohne den Umweg über das Crafting-System.

Das Spielprinzip in Pokémon-Legenden: Arceus kommt dem eigentlichen Grundgedanken von Pokémon endlich wieder am nächsten: „Gotta catch ‘em all!“, zu Deutsch „Schnapp sie Dir alle!“. Für den Abschluss des Games bist Du tatsächlich darauf angewiesen, alle Pokémon zu schnappen. Und in dem Setting möchte man das sogar echt gerne aus eigenem Antrieb tun!

Dass Pokémon in der Overworld zu sehen sind, hat bereits in vorherigen Pokémon-Teilen gefallen. Umso genialer ist, dass Du selbst Shinys in der Overworld siehst. Auch die Begegnung mit Elite- oder legendären Pokémon wirkt durch das realistisch suggerierte Größenverhältnis deutlich imposanter und majestätischer.

Jedes Legy-Pokémon hat zudem ein eigenes Fang-Setting erhalten. Sie werden einem nicht willkürlich hinterhergeschmissen, wie es bei den Ultrapforten in Pokémon Ultrasonne und Ultramond oder in den Dynamax-Abenteuern von Pokémon: Schwert & Schild der Fall ist. Die Begegnungen sind bedeutungsvoll, teilweise schwer zu meistern und bleiben im Gedächtnis.

Screenshot von Giratina aus dem Kampf am Sinnoh-Tempel in Pokémon-Legenden: Arceus
Die erste Begegnung mit Giratina zählt zu den epischten Momenten in Pokémon-Legenden: Arceus.

Das Fangen der legendären Pokémon an sich ist hingegen ein Kinderspiel. Solange seine Lebenspunkte unter 50 Prozent fallen und sie von einem Statuseffekt betroffen sind, bleiben sie wie jedes andere Pokémon auch mit einer extrem hohen Wahrscheinlichkeit im Ball. Hier wäre eine größere Herausforderung wünschenswert gewesen.

Pokédex mithilfe der Forschungsaufträge füllen

Um den Dex-Eintrag eines Pokémon zu vervollständigen, musst Du Pokémon-spezifische Aufgaben erfüllen. Dazu ist es gelegentlich nötig, ein Pokémon in Dein Team aufzunehmen und mit ihm zu kämpfen. Eine schöne Gelegenheit für festgefahrene Trainer, die ihre Abenteuer immer mit demselben Team bestreiten.

Die Pokédex-Aufgaben zu erledigen macht grundsätzlich sehr viel Spaß und sind zum Teil auf das Pokémon abgestimmt. In den meisten Fällen ist es jedoch Einheitsbrei. Eine größere Aufgaben-Vielfalt hätte dem ganzen System nicht geschadet. Die Aufgaben doppeln sich recht schnell – besonders, wenn Du die Pokédex-Einträge für 242 Pokémon vervollständigen möchtest.

Entwicklungen mit und ohne zusätzliche Items

Normalerweise entwickeln sich Deine Pokémon, sobald sie das entsprechende Level erreicht haben. Möchtest Du das verhindern, benötigst Du in den Spielen der Hauptreihe einen Ewigstein oder musst bei jedem Levelaufstieg die B-Taste drücken.

In Pokémon-Legenden: Arceus leitest Du die Entwicklung Deiner Pokémon selber ein. Sind die Bedingungen für die Entwicklung erfüllt, erscheint eine Meldung, die Dich darauf aufmerksam macht. Da Pokémon in Deinem Team durch das Fangen oder Bekämpfen von wilden Exemplaren schnell Erfahrungspunkte sammeln und Level aufsteigen, ist dieses System sinnvoll und erleichternd.

Damit einem komplettierten Pokédex nichts im Wege steht, bist Du glücklicherweise nicht auf den Tausch mit anderen Spielern angewiesen. Die Exemplare, die für eine Entwicklung getauscht werden müssen, haben ein eigenes Entwicklungsitem erhalten: die Verbindungsschnur. Damit Du nicht tausende DP aus dem Fenster werfen musst, findest Du die Endentwicklung der Tauschpokémon aber auch in der freien Wildbahn.

Die Verbindungsschnur im DP-Laden kostet 1.000 DP in Pokémon-Legenden: Arceus
Mithilfe der Verbindungsschnur entwickeln sich Alpollo, Georok, Kadabra, und Maschock auch ganz ohne Tausch weiter.

Keine Fähigkeiten und fehlende Attackenvielfalt 

Es gibt nicht einmal 200 Attacken im Spiel. Der ausgedünnte Attacken-Pool macht sich entsprechend extrem schnell bemerkbar. Der Weg zu Belila, der “Attacken-Meisterin”, endet für viele Pokémon gleich. Fast alle Pokémon können dort dieselben Attacken erlernen – und auch die wilden Exemplare beherrschen oft die gleichen Angriffe.

Entsprechend eintönig sahen auch die Movesets unserer Pokémon aus. In die engere Auswahl haben es meistens die Attacken geschafft, die eine besonders hohe Genauigkeit haben und darüber hinaus so viel Schaden wie möglich am gegnerischen Pokémon anrichten. Hinzu kommt, dass die einzelnen Pokémon zahlreiche Attacken abseits der eigenen Typen erlernen können. 

Während die Attackenvielfalt stark dezimiert wurde, sind auch die Effekte vieler Angriffe überarbeitet worden. So erfordert zum Beispiel der Einsatz von Hyperstrahl keine Pause mehr oder Tarnsteine richten direkten und wiederkehrenden an, bleiben aber nicht mehr auf dem Boden liegen, um eingewechselten Pokémon zu schaden.

Zusätzlich dazu fallen Fähigkeiten einfach ersatzlos weg. Diese Kombination sorgt dafür, dass Pokémon und ihre Typen stark an Bedeutung verlieren – schließlich kann jedes Pokémon fast jede starke Attacke erlernen. Dieser Einheitsbrei ist nicht nur langweilig, sondern behindert auch den Spaß bei den Kämpfen. 

Könige und Königinnen ersetzen Arenakämpfe

Kleine Highlights sind die Herausforderungen gegen die Könige und Königinnen. Sie sind eine Mischung aus Zielen und Werfen, Angriffsmuster erkennen und ausweichen sowie optionalen Kampfeinlagen. Du musst also alle Spielelemente von Pokémon-Legenden: Arceus kombinieren, um erfolgreich hervorzugehen. Mit jedem neuen König und jeder neuen Königin steigt dabei der Schwierigkeitsgrad.

Das hat uns besonders gut gefallen und teilweise sogar eine Herausforderung dargestellt – eher untypisch für die sonst so kinderfreundlichen Pokémon-Spiele. Blickt man nach seinem Versagen jedoch genauer hin, dann kommt der kinderfreundliche Vibe doch wieder durch: Bist Du an einer bestimmten Stelle gescheitert, steht Dir die Option offen, an derselben Stelle wiedereinzusetzen. Dabei bleibt also der erspielte Fortschritt erhalten. Na ja, immerhin ist und bleibt es eine Option, die genutzt oder ungenutzt bleiben darf.

Screenshot von Arktilas aus dem Bosskampf im Weißen Frostland in Pokémon-Legenden: Arceus
Ist Dir die Herausforderung gegen einen König oder eine Königin zu groß, führe den Kampf einfach fort, anstatt ihn neuzustarten.

Undurchsichtiges und unbalanciertes Kampfsystem

Eine Sache, über die wir uns wohl am meisten aufgeregt haben, ist das undurchsichtige und unbalancierte Kampfsystem. Die Angriffsreihenfolge ergibt sich der Theorie nach aus dem Initiative-Wert der Pokémon und kann durch den Einsatz einer Kampf- und Tempotechnik beeinflusst werden. Die Angriffsreihenfolge lässt sich zudem innerhalb des Kampfes im oberen rechten Rand ablesen.

Bei uns kam es jedoch mehrmals vor, dass gegnerische Pokémon mehrmals hintereinander angegriffen haben, obwohl die Angriffsreihenfolge anders angezeigt wurde – ohne den Einsatz einer Tempotechnik. Das kann zum Teil nichts mehr mit dem Initiative-Wert zu tun haben, da einige der Kämpfe gegen Pokémon stattgefunden haben, die mehrere Level unter unseren waren. 

Bei Diam, der ein Folipurba auf Level 64 und ein Nachtara auf Level 32 in den Kampf schickt, dürfen plötzlich beide Pokémon jeweils zweimal angreifen – ohne ersichtlichen Grund. Aber auch der Schaden an den beiden Evoli-Entwicklungen fällt unbalanciert aus. Palkias Raumschlag fügt Nachtara genauso viel Schaden zu wie Folipurba und das, obwohl es ein halb so hohes Level besitzt.

Entweder Diam hat sein Nachtara aus Gründen mit Leistungssand vollgestopft und sein Leistungslevel dadurch enorm gesteigert oder das ganze System stimmt hinten und vorne nicht. Selbst wenn er sein Leistungslevel maximal gepusht hat, hat es keinen derart hohen Einfluss auf die Stats, dass ein Nachtara auf Level 32 genauso viel Schaden erleidet wie ein Folipurba auf Level 64.

Darüber hinaus ist es fraglich, warum Diam drei Pokémon in den Kampf schicken darf und wir immer nur mit einem einzigen Kämpfen dürfen. Dasselbe gilt für wilde Pokémon, die uns in Gruppen angreifen können, wie es häufig in den Raum-Zeit-Verzerrungen der Fall ist.

Der Schwierigkeitsgrad in Pokémon-Legenden: Arceus

Ausnahmsweise hat es Pokémon hinbekommen, dass es sich der Schwierigkeitsgrad an Kinder und Erwachsene einigermaßen gleich widmet. An einigen Stellen des Spiels ist aber auch dieser Aspekt unbalanciert. Während der Anfang des Spiels kinderleicht wirkt, offenbart die Herausforderung gegen Arceus ein recht hohes Maß an Fertigkeiten.

Dazwischen steigt die Schwierigkeitskurve nicht exponentiell an – die Kurve schießt ab einem bestimmten Punkt im Spiel einfach in die Höhe. Was vorher für jedes kleinere Kind machbar war, erfordert plötzlich mehr Geschick und Theorie, als die meisten Kleinkinder aufweisen. Ein zwölfjähriges Kind steht möglicherweise urplötzlich vor einem großen Problem, wenn er einen harten Kampf wie den gegen Giratina bestreiten muss – wo doch vorher alles so schön einfach war.

Daher sind wir etwas unsicher, für welche Zielgruppe das Spiel tatsächlich konzipiert wurde. Vermutlich für Alt und Jung. Daher wohl auch die Entscheidung bei den Königen und Königinnen, die Herausforderung nach einer Niederlage mit dem bisherigen Fortschritt neu starten zu können. Aber immerhin hat sich Pokémon mit diesem Schritt zumindest ansatzweise an individuelle Schwierigkeitsstufen herangewagt. Davon darf es auch in den Spielen der Hauptreihe gerne mehr sein.

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Pokémon-Legenden: Arceus im Test – ausführliches Review und Kritik zum Spiel
Fazit
Wiegen wir alle Schwächen von Pokémon-Legenden: Arceus mit den Stärken des Ablegers auf, bleibt ein Titel zurück, der mit etwas mehr Arbeit und Feinschliff so viel besser sein könnte. Doch trotz allem hat uns das Spiel viel Freude bereitet und in einigen Aspekten positiv überrascht. Es gibt keine K.-o.-Kriterien, die uns den Spielspaß komplett zerstört haben – lediglich kleine Mankos, denen wir mit Unverständnis begegnen. Nichtsdestotrotz haben wir jede einzelne Stunde genossen, die wir in Hisui verbracht haben.
Story
8.5
Grafik
4
Musik
10
Steuerung
5
Gameplay
7
Deine Meinung1 Bewertung
7
Positiv aufgefallen
Story begeistert mit einer gewissen Tiefe und mehreren Stunden Spielzeit
Quests und Nebenquests sind abwechslungsreich
Verhaltensmuster der Pokémon außerhalb und innerhalb des Kampfes
Jubeldorf floriert mit fortschreitendem Spielfortschritt
Sammelspaß mit den Geisterlichtern & Icognito
Soundtrack ist stimmungsvoll und nostalgisch
Fangen legendärer Pokémon fühlt sich bedeutungsvoll an
Schwierigkeitsgrad ansatzweise anpassbar
Negativ aufgefallen
Grafik könnte mehr Feinschliff vertragen
Kampfsystem wirkt extrem unbalanciert
Einfältige und stupide Dialoge
Steuerung teilweise kompliziert und nicht intuitiv
Gebietswechsel ausschließlich über Jubeldorf
Attackenvielfalt fehlt
7